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01.02.2020 - Elektromobilität – sind wir bereit?

Elektromobilität – sind wir bereit?

Elektromobilität ist weltweit der Schlüssel klimafreundlicher Mobilität“ – dies jedenfalls liest man auf den Internetseiten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Die Senkung des CO2 Ausstoßes wird hierbei als nur eines der wesentlichen Ziele genannt. Die Speicherkapazitäten der Elektroautos sollen weiterhin dazu beitragen, die Schwankungen der Wind- und Sonnenenergie auszugleichen, also die Energiewende fördern.

Die Stadt Darmstadt hat als zentralen Faktor für den Erfolg der Elektromobilität eine bedarfsgerechte Ladesäuleninfrastruktur erkannt. Nur wenn diese stimmt, kann flächendeckend elektrisch gefahren und der Ausstoß von CO2 in der Stadt reduziert werden. Und nur dann, wenn ein größerer Anteil des Individualverkehrs elektrisch erfolgt, werden sich die Luft in Darmstadt und andernorts verbessern sowie die Lärmbeeinträchtigungen durch den Straßenverkehr spürbar reduzieren. Elektromobilität kann also neben positiven Effekten für die Umwelt auch die Lebensqualität in der Stadt verbessern. Bei dieser Betrachtung außen vor bleibt die Frage, welche Umweltschäden oder Beeinträchtigungen durch die Herstellung von Elektroautos und Batterien im Vorfeld zur Nutzung bereits entstehen und ob die Umweltbilanz eines Elektrofahrzeugs wirklich gut ist. Die Positiveffekte werden sich jedenfalls lokal auswirken.

Mangels bestehender Alternativen wird davon auszugehen sein, dass die Elektromobilität ein wesentlicher Teil der Mobilität der Zukunft in Deutschland ausmachen wird. Dies wird nicht zuletzt dadurch deutlich, dass nahezu jeder Automobilhersteller mittlerweile seine Modelle auch mit Elektroantrieb anbietet.

Es stellt sich die Frage, ob wir, die Stadt Darmstadt, die Immobilieneigentümer und Vermieter von Wohn- und Geschäftsraum hierfür schon bereit sind?

Kommunale Bemühungen reichen nicht aus
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat im Rahmen ihrer Ladesäulenoffensive 2017 insgesamt 20 Ladesäulen errichtet. Diese Säulen verfügen über je zwei Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 22 KW. Stand heute dürften es um die 30 öffentlichen Ladesäulen im Stadtgebiet sein. Rund 60 Autos können in Darmstadt an öffentlichen Ladesäulen aufgeladen werden. Bereits für den Laien dürfte in Anbetracht dieser Zahlen klar sein, dass noch einiges zu tun ist. Sollten sich die Erwartungen erfüllen und im Jahr 2025 jedes 4. neuangemeldete Fahrzeug ein Elektroauto sein, so gäbe es wohl Stau an den öffentlichen Ladesäulen. Das Tempo, mit welchem die öffentliche Ladesäuleninfrastruktur aufgebaut wird, muss sich daher erheblich erhöhen.

Allein damit ist es freilich nicht getan. Der Immobiliensektor hinkt sowohl im öffentlichen als auch privaten Bereich der erforderlichen Entwicklung ebenso hinterher wie die Städte, Länder und der Bund. Klar ist jedoch, dass die Nutzer von Elektroautos während des Aufenthalts bei der Arbeit oder auch zuhause über Nacht ihre Fahrzeuge aufladen müssen. Nur mit einem breiten Netz an öffentlichen Ladestationen ist es daher nicht getan. Vielmehr kann eine Mobilitätswende nur dann gelingen, wenn der Nutzer eines Elektroautos ebenso mobil bleibt, wie er dies mit einem Verbrennungsmotor heute ist. Da ein Tauschbatteriensystem für Elektroautos nicht existiert, werden anstelle des derzeit kurzen Tankvorgangs zukünftig längere Ladezeiten treten. Es ist für die Nutzer von Elektroautos daher wesentlich, dass Fahrzeuge während der typischen Standzeiten geladen werden können.

Der Immobiliensektor und mit ihm die Vermieter von Wohn- und Geschäftsraum stehen vor der Herausforderung, zukünftige Bedarfe der Mieter zu erfüllen. Hiermit einher gehen sowohl rechtliche, als auch praktische Hürden.

Rechtsunsicherheit
Es besteht derzeit eine Rechtsunsicherheit in Hinblick auf die Installation von Ladestationen in privaten Tiefgaragen oder auf Stellplätzen. Dies ist besonders im Bereich von Wohnungseigentümergemeinschaften problematisch. Einerseits muss ein Eigentümer nach heutiger Rechtslage zunächst um die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft kämpfen, oft mit offenem Ausgang und unter erheblichen Zeitaufwänden. Andererseits steht dem Mieter gegenüber dem Vermieter kein Rechtsanspruch auf Bereitstellung einer Ladestation zur Seite. All dies soll sich nach dem Willen des Gesetzgebers ändern. So soll die Rechtslage im Wohnungseigentumsrecht geändert werden, und soll der Mieter zukünftig einen Anspruch hinsichtlich des Einbaus einer Ladestation gegenüber dem Vermieter erhalten. In rechtlicher Hinsicht könnte daher alsbald Besserung eintreten. Gleichwohl werden zwischen dem Einzug des Mieters und der Installation einer Ladestation für dessen Fahrzeug auch zukünftig noch Monate vergehen. Den Mietern eines Hauses, welches nicht über eigene Stellplätze oder eine Tiefgarage verfügt, wird der Rechtsanspruch hingegen kaum nutzen können. Diese müssen auf die öffentliche Ladeinfrastruktur hoffen.

Infrastrukturfragen - neue Herausforderungen
In praktischer Hinsicht könnte der Rechtsanspruch den Vermieter jedoch vor erhebliche Probleme stellen. Man denke an eine Gewerbeimmobilie, deren Mieter einen großen Fuhrpark unterhält. Sobald dieser Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umgestellt ist, muss eine Vielzahl der Fahrzeuge in der Tiefgarage geladen werden. Das kleinere Problem wird dann sein, diese Vielzahl von Ladestationen in der Tiefgarage zu installieren, das ist lediglich mit Kosten verbunden. Vielmehr wird sich die Frage stellen, ob die vorhandene Haustechnik eine Vielzahl an Ladestationen überhaupt versorgen kann. Eine große Tiefgarage müsste mit einer entsprechenden Stromleitung ausgestattet sein um auch in Spitzenzeiten zuverlässig alle Ladestationen zu versorgen, ganz zu schweigen von Zuleitungen zum Haus, welche noch viel stärker beansprucht werden. Denn wenn die Menschen abends nach Hause in die Wohnimmobilie kommen und ihr Auto an die Ladestation angeschlossen haben, werden nur kurze Zeit später weitere Verbraucher in den einzelnen Wohnungen weitere Strommengen anfordern. Wenn gewaschen, gekocht und ferngesehen wird, darf das Licht im Haus nicht ausgehen.

Mit dem gesteigerten Energiebedarf müssen auch die haustechnischen und brandschutzrechtlichen Gegebenheiten auf den Prüfstand. Die Frage, ob zu Spitzenzeiten noch genug Strom an den Verbrauchsstellen ankommt wird daher nicht zuletzt davon abhängen, ob die öffentlichen und privaten Stromnetze für derartige Belastungen ausgelegt sind. Ob die Netze heute einer derartigen Belastung standhalten werden, ist fraglich. Allein mit einer intelligenten Ladetechnik wird es nicht getan sein, wenn die Mehrzahl der Mieter erst einmal elektrisch unterwegs ist. Es scheint daher mehr als geboten, die in Zukunft benötigte Infrastruktur nun schnell zu schaffen. Neubauten müssen von vornherein mit entsprechenden Stromzuleitungen und Vorbereitungen für Ladestationen versehen werden. Weiterhin sollte mehr dafür getan werden, den benötigten Strom gleich vor Ort zu produzieren um lange Lieferwege zu ersparen und Stromnetze zu entlasten. Auch hier müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen für Vermieter als Stromproduzenten dringend angepasst und vereinfacht werden.

Im Ergebnis werden sich große Herausforderungen für die Kommunen, die Netzbetreiber und die Vermieter stellen. Nur wenn die Kommunen ein ausreichendes Angebot an öffentlichen Ladestationen bereitstellen, die Stromnetze über entsprechende Kapazitäten verfügen und der Immobiliensektor seinen Beitrag leistet, kann Elektromobilität in großem Stil Einzug funktionieren.

Haus & Grund fordert daher den Gesetzgeber auf, entsprechende Fördermöglichkeiten für private Vermieter und Wohnungseigentümergemeinschaften zu schaffen, welche jedenfalls in finanzieller Hinsicht die große Last von den Eigentümern nimmt. In Hinblick auf das gesamtgesellschaftliche Interesse an der Mobilitätswende erscheint es geboten, die wirtschaftlichen Belastungen entsprechend zu verteilen.

Fragen der Mobilität sind heute entscheidend. Mieter und Eigentümer, Private und Geschäftsläute wählen ihren Standort in der Regel unter genauer Prüfung der Verkehrsinfrastruktur aus. Wenn Teile der Stadt nicht mehr mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren zu erreichen sind -dies ist in Darmstadt teilweise heute schon der Fall- müssen Alternativen angeboten werden. Eine Stadt und deren Wohnlagen sind nur solange attraktiv, wie man sie gut erreichen kann. Bis irgendwann einmal neue und effektive Verkehrskonzepte zur Umsetzung kommen, wird der Individualverkehr die wesentliche Rolle spielen. Die Voraussetzungen, dass dieser auch in Zukunft funktioniert müssen geschaffen werden. Um die Zielvorgaben des Bunds in die Realität zu überführen, muss an vielen Schrauben gedreht werden - aber schnell!

Thomas Bellmer
Geschäftsführer Haus & Grund Darmstadt

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