Haus & Grund Darmstadt e.V.
Landwehrstr. 1
64293 Darmstadt

Tel. 06151 17935
Fax 06151 179393

» E-Mail schreiben

Historie

Haus & Grund Darmstadt e. V. – seit 115 Jahren im Einsatz für das private Eigentum

Am 4. Dezember 1904 wurde von etwa 60 Hausbesitzern im Restaurant Sitte der „Darmstädter Hausbesitzer-Verein“ gegründet, heute Haus & Grund Darmstadt e. V. Im 115. Jahr seines Bestehens kann der Verein dankbar an allen ehrenamtlichen wie hauptamtlichen Einsatz für das private Eigentum in Darmstadt und Umgebung in diesem langen Zeitraum erinnern. 2004 feierte der Verein sein 100-jähriges Bestehen und erhielt die Silberne Verdienstplakette der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Eine Chronik aus früheren Zeiten, aus der im Anschluss noch zitiert wird, beleuchtet die Vereinsgeschichte. Zunächst soll die Entwicklung seit Anfang dieses Jahrtausends geschildert werden:

Seit 2000

Derzeit, im Jahr 2019, wird der Verein geführt vom 1. Vorsitzenden Hans-Otto Döll, 2. Vorsitzenden Dr. Joachim Aue, 3. Vorsitzenden Stephan Lich. Die Geschäftsführung erfolgt durch die Rechtsanwälte Felix Schäfer und Thomas Bellmer. Alleine in den letzten 15 Jahren meisterte der Haus & Grund Darmstadt dynamische Veränderungen und Herausforderungen.

Noch kurz vor der Jahrtausendwende, 1998, erfolgte die Renovierung des 1. Obergeschosses in der Landwehrstraße 1, dem Sitz der Geschäftsstelle. Dies fiel noch in die Amtszeit von Karl Kiel, der über 25 Jahre ehrenamtlich mit großer Kraft und Ausdauer für den Verein tätig war, seit 1991 als Vorsitzender. Der Ehrenvorsitzende Kiel verstarb 2013 und hatte zuvor sein Amt im Jahr des 100-jährigen Jubiläums, 2004, an Dr. Rolph Niederberger übergeben. Dieser, seit 1989 Mitglied von Haus & Grund, füllte das Amt bis zum seinem Tod 2012 äußerst engagiert und erfolgreich aus und gab dem Verein ein modernes Gesicht. In seine Amtszeit fiel der Kauf des Anwesens Landwehrstraße 1 im Jahre 2005 sowie 2010 dessen Renovierung und der Umzug der Geschäftsstelle vom 1. Obergeschoss in das Erdgeschoss, das zuvor zweckmäßig, modern und kundenfreundlich hergerichtet wurde. Schon seit Kriegsende hat der Verein seinen Sitz in diesem Gebäude, das um die vorletzte Jahrhundertwende errichtet wurde.

Landwehrstraße Nr. 1
Das Haus Ecke Landwehrstraße und Frankfurter Straße zur Zeit der Vereinsgründung 1904 (heute Landwehrstraße Nr. 1), damals noch nicht Sitz der Geschäftsstelle. Diese wurde ab 1917 erstmals in der Rheinstraße bezogen. Ein 1939 in der Hügelstraße errichtetes Haus des Vereins wurde am 11. Sept.1944 teilzerstört. Bereits am 20. Oktober 1944 konnte eine Geschäftstelle in der Landwehrstraße („Nr. 18“) wieder eröffnet werden.

Gleichzeitig wurden 2010 die Öffnungszeiten der Geschäftsstelle und das Beratungsangebot für die Mitglieder deutlich ausgeweitet. Die Mitgliederzeitung bekam ein erstmals mit Motivbildern aus Darmstadt versehenes Titelblatt und damit ein neues und zugleich auch ansprechendes Äußeres. Auf der Jahreshauptversammlung 2013 wurde Dr. Gert Mittmann zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Der Jurist und frühere Leiter des Darmstädter Arbeitsamtes gehört Haus & Grund Darmstadt seit vielen Jahren an und war auch als Kreisvorsitzender beim DRK sowie als Stadtverordneter engagiert. Nach dreijähriger Amtszeit kandidierte Dr. Gert Mittmann nicht mehr erneut. Neu gewählt wurde einstimmig Hans-Otto Döll, seines Amtes Rechtsanwalt und Notar, und spezialisiert auf Immobilien- und Erbrecht. Er arbeitete bisher bereits im Beirat von Haus & Grund Darmstadt mit. Wie bei seinem Vorgänger ist sein Ziel, „das Dienstleistungsniveau des Vereins weiter aufrecht zu erhalten und auszuweiten“. Er setzt auf die gute Zusammenarbeit im Team von Vorstand, Beirat, Geschäftsführer und Mitarbeitern der Geschäftsstelle.

Bereits 2011 war ein Wechsel in der Geschäftsführung erfolgt – von Klaus Dieter Wallenstein zu Felix Schäfer. Mit 35 Jahren Dienstzeit als Geschäftsführer habe Klaus Dieter Wallenstein ein sehr erfolgreiches Lebenswerk vorzuweisen und mehr als ein Drittel der Vereinsgeschichte geprägt, erklärte der damalige 1. Vorsitzende Dr. Niederberger anlässlich einer Feier zur Verabschiedung. In Wallensteins Zeit fiel der Zuwachs der Mitglieder von 2.000 in den 70er Jahren auf rund 5.000 bis 2011. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Verhandlungen um den Mietspiegel in Darmstadt gewesen, die schon erwähnten Umbauten der Geschäftsstelle und der Kauf der Landwehrstraße 1, eine bleibende Leistung schließlich die Feierlichkeiten und die Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum.

Seitdem ist Rechtsanwalt Felix Schäfer der Geschäftsführer von Haus & Grund Darmstadt, der als selbständiger Anwalt ab 1991 mit den Schwerpunkten Mietrecht sowie Familien- und Erbrecht und ab 2000 in einer Bürogemeinschaft mit der Kanzlei von Dr. Niederberger in der Landwehrstraße tätig war, bereits seit 2004 auch mit Beratungen in der Geschäftsstelle, seit 2008 auch mit Urlaubsvertretungen für den Geschäftsführer betraut.

Seit 2012 wurde das Beratungsangebot noch einmal deutlich ausgeweitet, mit fünf Juristinnen bzw. Juristen, zusätzlich Rechtsanwalt und Geschäftsführer Felix Schäfer. Der Beratungsbedarf steigt von Jahr zu Jahr sprunghaft weiter an. Für Felix Schäfer ist die Beratung sehr wichtig, damit die Mitglieder von Haus & Grund Darmstadt „auf Augenhöhe“ mit ihren Vertragspartnern verhandeln können, die vom Mieterbund oder einem Rechtsbeistand vertreten werden. Unter seiner Ägide erfolgte die Zusammenlegung der Mitgliederzeitung von Haus & Grund Darmstadt mit dem Magazin von Haus & Grund Hessen, schon aufgrund wirtschaftlicher Synergien. Jedoch bleiben ein eigenes Darmstadt Titelblatt und ein eigenständiger Darmstadt-Teil erhalten.

Thomas Bellmer ist seit 2018 ein weiterer Geschäftsführer von Haus & Grund Darmstadt neben Felix Schäfer. Seine Laufbahn als Rechtsanwalt begann in einer überregional agierenden Rechtsanwaltskanzlei und setzte sich mit einer Beschäftigung als Rechtsberater bei Haus & Grund Frankfurt am Main fort. Neben der Rechtsberatung möchte er dazu beitragen, den Verein „Fit für die Zukunft“ zu machen. In Zeiten der Digitalisierung soll das Leistungsangebot an die veränderten Rahmenbedingungen und sich teilweise ändernden Bedürfnisse der Mitglieder angepasst werden. Die Ausweitung von Serviceangeboten für die Mitgliedschaft ist ein stetiges Anliegen von Vorstand und Geschäftsführung.

Gesellschaftliche Vertretung

Neben der Beratung und Vertretung im Einzelfall ist die gesellschaftliche und politische Vertretung der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer die zentrale Aufgabe von Haus & Grund Darmstadt. Dabei geht es um die Interessenwahrung gegenüber der Politik und dem Mieterbund, beispielsweise bei den Verhandlungen um den Mietspiegel, sowie um eine deutliche Präsenz innerhalb der Stadtgesellschaft. Dies gilt umso mehr, als Medien und öffentliche Meinung oft eher der Mieterseite zuneigen. Jedoch hat die Berücksichtigung der Positionen von Haus & Grund Darmstadt in den Medien in den letzten Jahren stark zugenommen, vor allem aufgrund eigener Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit. Auch mit Fachvorträgen wird verstärkt „nach draußen“ gegangen, z. B. in Kooperationen und Vortragsreihen mit der Sparkasse und auch der Volksbank Darmstadt oder dem Energieversorger ENTEGA AG.

Aktuelle und kommende Diskussionen sind mit den Stichworten Wohnungssituation im Ballungsraum und im Gegensatz dazu im ländlichen Raum, Mietpreisbremse, Grundsteuer, Grunderwerbsteuer, Kappungsgrenze, Energetische Sanierung usw. nur kurz angerissen. An dieser Stelle sei erinnert, dass Haus & Grund einstmals als Friedensinstrument gegründet wurde, nicht nur zur Interessenvertretung, sondern auch zur Konfliktvermeidung mit der Mieterseite.

Die ersten hundert Jahre

Die Überlieferung der frühen Vereinsgeschichte beruht auf dem Rückblick von Direktor Gregor Ziegler, Geschäftsführer des Haus- und Grundbesitzervereins Darmstadt e. V. von 1913 bis zu seinem Unfalltod 1955 – veröffentlicht im Mitteilungsblatt „Haus und Heim“ im Dezember 1954. Auf dieser Basis erstellte Klaus-Dieter Wallenstein 2004 die Festschrift „100 Jahre – Haus und Grund Darmstadt – die Geschichte eines Vereins“. Die zweite Hälfte der Vereinsgeschichte fasste Wallenstein selbst zusammen, auf der Grundlage der Vereinsprotokolle und natürlich aus eigenem Erleben.

Zur Zeit der Vereinsgründung, treibende Kraft und erster Vorsitzender war der Weißbindermeister C. Friedrich Mahr, war die Situation in Darmstadt völlig konträr zur heutigen (einzige rechtliche Grundlage war das BGB von 1900). Durch eine sogenannte „Bauinflation“, dem Bau ganzer neuer Stadtviertel, herrschte ein starkes Überangebot an Wohnungen, so dass Hausbesitzer sich viel einfallen lassen mussten, um Mieter zu gewinnen. Sogenannte „Trockenwohner“ bekamen die ersten drei Monate mietfrei. Rund 50 % der Mieter zogen innerhalb eines Jahres in eine andere Wohnung. Der Verein richtete einen „Wohnungsnachweis“ zur Vermittlung ein und bekämpfte den Bau neuer Wohnviertel. Dieses Verhältnis kehrte sich im I. Weltkrieg um, so dass es zum ersten Mieterschutzgesetz kam. In dieser Zeit entstand in Darmstadt das Mieteinigungsamt zur Beilegung von Streitfällen, das mit einem städtischen Beamten bzw. Richter und je einem Vertreter der Hausbesitzer und Mieter besetzt war. Dieses Gremium war auch tätig bei der monatlichen Anpassung der Miethöhen in der Inflationszeit der 20er Jahre. Jedoch war oft am Monatsende die Entwertung so rasant fortgeschritten (bis in „Milliardenhöhe“), dass der Hausbesitzer mit der Miete nichts mehr anfangen konnte. Nach der Einführung der Rentenmark 1924 galt weiter eine staatliche Mietpreisbegrenzung.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren die deutschen Haus & Grund-Vereine den Gleichschaltungsbestrebungen der Partei unterworfen, so auch in Darmstadt, wo der Vorsitzende und ehemalige Stadtbaurat und Bürgermeister August Buxbaum als Nicht-Parteigenosse sein Amt aufgeben musste. Weitere Bestrebungen der Machthaber galten den Vereinszeitungen und Vereinsvermögen – bis hin zur Eingliederung in die Deutsche Arbeitsfront. Der Zerstörung Darmstadts in der Nacht vom 11. auf den 12. Sept. 1944 fiel auch die damalige Geschäftsstelle zum Opfer. Schon am 20. Oktober konnte eine neue „Geschäftsstelle“ improvisiert im zweiten Stock eines Hauses in der Landwehrstraße werden, das bereits 1943 beschädigt worden war (hierbei muss es sich wohl um den Standort der heutigen Geschäftsstelle handeln). Die Aufnahme von Kriegsschäden, Entschädigungen und der Lastenausgleich waren damals eine Hauptbeschäftigung von Haus & Grund in ganz Deutschland. Erster Darmstädter Vorsitzender nach Kriegsende unter der amerikanischen Verwaltung wurde das „aus Dachau zurückgekehrte“ Mitglied Jakob Kern, den die Mitgliederversammlung im Januar 1945 wählte.

Abbau der Zwangswirtschaft

Ab 1952 kam es zu ersten Lockerungen bei der „seit 1932 erstarrten Miete“. 1955 trat das Bundesmietgesetz in Kraft, das Erhöhungen von 10 % zuließ und überhöhte Mieten ahndete. 1960 kam dann das Gesetz zum Abbau der Wohnungszwangswirtschaft zugleich mit einem sozialen Miet- und Wohnrecht, entsprechend der neuen sozialen Marktwirtschaft. Mit der Einteilung in „weiße“ und „schwarze“ Kreise wurde nach und nach die Zwangsbewirtschaftung abgeschafft. 1965 wurde Darmstadt zum „weißen Kreis“, so dass für Mietanpassungen keine Preisbindung mehr bestand.

Mietgesetze und Mietspiegel

Die 70er Jahre bringen eine Gesetzgebung, die den Markt wieder einschränkt, so die Wohnraumkündigungsschutzgesetze. 1975 beschließt die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung die Einführung eines Mietspiegels für nicht preisgebundenen Wohnraum – gegen den Widerstand von Haus & Grund. Nach Anerkennung der Nettomieten als Basis ist Haus & Grund ab 1980 zur Mitarbeit am Mietspiegel bereit. Der 1981 fortgeschriebene Darmstädter Mietspiegel wird gleichwohl von Haus & Grund kritisiert. Auch die 1987 verabschiedete Fortschreibung wird letzten Endes von Haus & Grund in einer Sitzung beim Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) abgelehnt, erst 1990 stimmt der Verein dem Darmstädter Mietspiegel zu, „nachdem zahlreiche Bedenken ausgeräumt werden konnten“. Haus & Grund setzt sich in diesen Jahren immer dafür ein, den Mietspiegel nur aufgrund eines aktuellen Datenbestands fortzuschreiben. Mittlerweile gibt es in Darmstadt einen Mietspiegel unter Berücksichtigung energetischer Gesichtspunkte, der zuletzt 2018 fortgeschrieben wurde.

Die große Politik nach der Wiedervereinigung spiegelt sich wider im Besuch des Vorstands von Haus & Grund Darmstadt 1991 bei den Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern in der sächsischen Partnerstadt Freiberg, wo Aufbauhilfe geleistet wird.

1993 beschließt der Deutsche Bundestag das Vierte Mietrechtsänderungsgesetz, das die Kappungsgrenze für Mieterhöhungen innerhalb von drei Jahren von 30 % auf 20 % senkt, die Senkung soll auf fünf Jahre begrenzt sein.

Bei seiner Festschrift von 2004 zitiert Klaus Dieter Wallenstein die Schlussworte von Direktor Ziegler aus dem Jahre 1954: „Diese Chronik wäre daher nicht vollständig, wollte man nicht auch der vielen Hauseigentümer gedenken, die jahre- und jahrzehntelang dem Verein die Treue gehalten und erst die Voraussetzung für ein erfolgreiches Wirken geschaffen haben“.