11.10.2016

Immobilienbesitz richtig vererben oder zu Lebzeiten übertragen

Der teure Picasso an der Wand oder der spielsüchtige, missratene Sohn waren sicher zwei Extrembeispiele im Vortrag von Rechtsanwalt Felix Schäfer, Geschäftsführer von Haus & Grund Darmstadt, über das Thema "Immobilienbesitz richtig vererben oder zu Lebzeiten übertragen"

Jedoch wurde im Lauf des Abends mit vielen engagierten Nachfragen aus der Zuhörerschaft deutlich, dass es hier um ein elementares Thema geht, das naturgemäß jeden irgendwann einmal betrifft. Das Referat fand statt im Rahmen der Vortragsreihe von Haus & Grund Darmstadt bei der Sparkasse Darmstadt. Alexander Lohoff hatte im Namen der Sparkasse die Gäste begrüßt und die anwesenden Hausbesitzer für das "richtige Kapital zur richtigen Zeit" beglückwünscht – und für das gute Informationsangebot von Haus & Grund Darmstadt

Gestaltung des eigenen Lebens

Felix Schäfers Vortrag bezog sich natürlich nicht nur auf Extrembeispiele, sondern auf viele Fragen, die in der Lebenswirklichkeit auftauchen können.  Bei der Gestaltung des eigenen Lebens zwischen äußeren Einflüssen und eigener Verantwortung sei es wichtig, die Spielräume der Rechtsordnung zu nutzen und eigenverantwortlich vorzusorgen. Felix Schäfer erläuterte zunächst das Grundlagenwissen über den Nachlass und das Erben 1., 2. oder 3. Ordnung gegenüber Kindern, Enkeln, Eltern/Großeltern und weiteren Verwandten – und natürlich gegenüber dem überlebenden Ehegatten – je nach Güterstand. Gründe für ein Testament über die gesetzliche Erbfolge hinaus könnten die Absicherung des Ehepartners sein, die Ungleichbehandlung von Kindern (aus welchen Gründen auch immer), die Verhältnisse bei eheähnlichen Lebensgemeinschaften oder „Patchworkfamilien“, die Sicherung des Vermögens für einen Familienstamm, eheliche oder uneheliche Kinder, die Sicherung für Unternehmen, Landwirtschaft oder Hauseigentümer sowie wenn keine Nachkommen vorhanden sind.

Berliner Testament

Einen großen Raum nahmen die Voraussetzungen für die Gültigkeit testamentarischer Verfügungen ein sowie die möglichen Regelungen, z. B. das Berliner Testament, in dem sich die Ehegatten gegenseitig zu alleinigen Erben einsetzen und erst nach dem Tode des letztversterbenden Elternteils die Kinder erben. Auch der Pflichtteil oder dessen Entziehung bei schweren Verfehlungen kamen hier zur Sprache.

Beratungsangebot in den Sprechstunden von Haus & Grund Darmstadt

Der Abschnitt über Erbschafts- und Schenkungssteuer führte zum Thema der Übertragung von Immobilienbesitz zu Lebzeiten (Schenkung). Ein Vorteil hier ist das Einsparen der Erbschafts- bzw. Schenkungssteuer, da die Freibeträge alle zehn Jahre neu gelten. Trotz dieser und weiterer Vorteile sind die Rechte des Schenkenden im Übergabevertrag natürlich genau zu regeln, vor allem auch Gründe für Rückfallrechte des Übergebers und seine grundsätzlichen Rechte wie Wohnungsrecht, Nießbrauch, beispielsweise Pflegeverpflichtung, Leibrenten oder Rangvorbehalte für eigene Kredite des Übergebers. Weitere Einzelheiten wie die Übernahme von auf der Immobilie lastenden Verbindlichkeiten oder die Anrechnung von Vorausempfängen auf den Pflichtteilanspruch des Übernehmers kommen hinzu. Wichtig sei in jedem Falle die rechtzeitige Beratung durch Rechtsanwalt/Notar sowie Steuerberater, so Felix Schäfer. Mitgliedern von Haus & Grund Darmstadt steht natürlich auch immer die juristische Beratung in den Sprechstunden zur Verfügung, in der man sich einen ersten Überblick verschaffen kann. Viele engagierte Nachfragen aus der Zuhörerschaft machten deutlich, dass es sich hier um ein im wahrsten Sinne des Wortes „lebensnahes“, existenzielles Thema handelt, das jeden einmal betrifft.

Da die Nachfrage zur Teilnahme wie immer sehr groß war, wird auch dieses Referat im Rahmen der Vortragsreihe „Was ein Vermieter wissen muss“ bei der Sparkasse Darmstadt wiederholt. 

zurück